Ich habe den Todesengel überlebt (Eva Mozes Kor)

Genre: Biografie, wahre Begebenheit
Sprache (gelesen): deutsch
Sprache (original): deutsch
Lesezeitraum: 09.07.2019 – 10.07.2019

Kurzbeschreibung:

Eva Mozes Kor ist zehn Jahre alt, als sie mit ihrer Familie nach Auschwitz verschleppt wird. Während die Eltern und zwei ältere Geschwister in den Gaskammern umkommen, geraten Eva und ihre Zwillingsschwester Miriam in die Hände des KZ-Arztes Mengele, der grausame »Experimente« an den Mädchen durchführt. Für Eva und ihre Schwester beginnt ein täglicher Überlebenskampf …
(Quelle: www.amazon.de)

Meine Meinung zu dem Buch:

Seit meiner Jugend habe ich schon viele Bücher über den zweiten Weltkrieg gelesen, das Thema hat mich schon immer interessiert, weil es so unvorstellbar ist, was damals passierte.
Auch dieses Buch hilft nicht dabei zu verstehen, wie Menschen einander solche Grausamkeiten antun können. Dennoch ist es ein sehr gutes Buch, es hilft dabei, sich in die damalige Situation der Opfer hineinzusetzen. Es beschreibt die perfide, schleichende Herabsetzung von Juden durch Gerüchte oder wie man heute sagen würde „Fake News“. Es beschreibt auch die Ängste und Leiden von Eva und ihrer Schwester, erst zuhause in ihrem Dorf und dann auch in der Hand des furchtbaren Dr. Mengele. Ein absolut empfehlenswertes Buch.
Die Geschichte lies mich einmal mehr fassungslos zurück, die damalige Propaganda erinnert unangenehm an einige Aussagen, die gerade derzeit wieder getroffen werden.
Am meisten beeindruckt hat mich die Autorin selbst. In ihrem Nachwort beschreibt sie, wie sie den Tätern, ihren Peinigern, vergeben hat. Ich möchte ein Zitat aus ihrem Nachwort dafür sprechen lassen
Vergebung dient nicht so sehr dem Täter als vielmehr dem Opfer. Es lag in meiner Macht, zu vergeben. Niemand konnte mir diese Macht verleihen, niemand konnte sie mir nehmen. Eben dies erzeugte in mir ein Gefühl der Stärke. Es gab mir ein gutes Gefühl, Entscheidungsgewalt über mein Leben als Überlebende zu haben.
[…]

Zorn und Hass sind die Saat, aus der Krieg erwächst. Vergebung ist ein Same des Friedens. Sie ist der letzte Akt der Selbstheilung.

Ich sehe Vergebung als Gipfel eines sehr hohen Bergs. Die eine Seite ist dunkel, trostlos, nass und sehr schwierig zu besteigen. Aber die, die sich abmühen und den Gipfel erreichen, können die Schönheit auf der anderen Seite des Bergs sehen, die von Blumen, weißen Tauben, Schmetterlingen und Sonnenschein erfüllt ist. Wenn wir auf dem Gipfel stehen, können wir beide Seiten des Bergs sehen. Wie viele Menschen würden wohl lieber auf die düstere Seite zurückkehren, anstatt auf der sonnigen, blumenbedeckten Seite umherzuwandern?

[…]

Ich wünsche mir, jungen Menschen für ihr Leben die Lektionen vermitteln zu können, die ich durch mein Leiden gelernt habe, durch alles, was ich durchgemacht und überlebt habe:

1. Gib dich selbst und deine Träume niemals auf, denn im Leben ist alles Gute möglich.
2. Beurteile Menschen nach ihren Taten und dem Wesen ihres Charakters.
3. Vergib deinem ärgsten Feind und vergib jedem, der dir Schmerz zugefügt hat – es wird deine Seele heilen und dich frei machen.